Jede Anzeige, ein neuer Abend
Für jede Stellenanzeige musste ich aus demselben Lebenslauf eine andere Auswahl treffen und ein Anschreiben schreiben, das den Bezug zu genau dieser Stelle herstellt. Pro Bewerbung ging dafür ein Abend weg. Am Ende kam eine Absage, oft auch gar keine Antwort. Nach ein paar Dutzend solcher Abende waren die Unterlagen müde. Ich auch.
Einmal einrichten, dann Minuten
Aus dem, was ich dabei ohnehin jedes Mal geprüft habe, ist ein System entstanden: Welche Stationen passen zur Anzeige? Welcher Beleg gehört dazu? Welche Länge und welche Form sind gefragt?
Diese Fragen habe ich einmal beantwortet. Alles, was über mich stimmt, steht seither an einer Stelle: Stationen, Belege, Zeugnisse, die Form, die ich will. Kommt eine Anzeige, liest das Programm sie gegen dieses Profil und schlägt vor, was dazu passt. Den Text formuliert eine KI, und sie darf dabei nur nehmen, was im Profil steht. Am Ende liegt die Mappe fertig da, mit Anschreiben, Lebenslauf und Anlagen. Aus dem Abend sind ein paar Minuten geworden, und was darin bleibt, entscheide ich.
Kommt das überhaupt so an?
Auf Arbeitgeberseite liest häufig zuerst eine Software die Bewerbung. Und die stolpert über Dinge, die auf dem Bildschirm völlig unauffällig aussehen: zerlegte Umlaute, falsch interpretierte Kontaktdaten oder Inhalte in einer Kopfzeile, die beim Auslesen verloren gehen. Deshalb prüft das Programm jede Mappe, bevor sie rausgeht, und zeigt vorher an, was diese Software daraus liest.
Warum es über Einrichtungen läuft
Zwei Dinge fallen auf, sobald mehr als eine Person Bewerbungen baut.
Jede Einrichtung hat ihre eigene Art, eine Bewerbung zu bauen. Sie steckt in Vorlagen, in Standards und in dem, was die Beratenden im Kopf haben. Ein Werkzeug, das die Teilnehmenden sich selbst herunterladen, kennt diese Art nicht und baut für alle gleich. Von der Arbeit der Einrichtung steckt dann nur noch wenig in der Mappe.
Und wer Teilnehmende mit ihren Zeugnissen arbeiten lässt, muss sagen können, wo diese Unterlagen liegen und was den Rechner verlässt. In einer Einrichtung gehört diese Antwort ins Datenschutzkonzept, bevor die erste Teilnehmerin anfängt. Ein Werkzeug, das sich jemand privat herunterlädt, beantwortet sie niemandem.
Und das Wichtigste steckt nicht im Programm, sondern in den Regeln. Die schreibt jemand, der weiß, was in einer Bewerbung trägt. Das Programm setzt sie durch, bei jeder Mappe gleich und auch dann, wenn niemand danebensitzt.
Deshalb geht das Programm den Weg über die Einrichtung. Sie setzt ihre Regeln ein, ihr Layout und ihre Standards, und gibt es an ihre Teilnehmenden weiter. Die Teilnehmenden behalten das Werkzeug danach.
Warum jeder Schritt seinen Grund nennt
Eines habe ich dabei gelernt: Ein Werkzeug, das nur das Ergebnis ausgibt, macht abhängig von sich. Deshalb sagt hier jeder Schritt, worum es geht, und jeder Befund nennt seine Regel und den Grund dahinter. Wer damit ein paar Bewerbungen gebaut hat, weiß, warum eine Mappe so aussieht, und kommt für diese Frage ohne das Programm aus. Das ist mir wichtiger als jede einzelne Funktion.
Zum Ansehen
Wie eine fertige Mappe aussieht, steht im Beispiel weiter oben: eine erfundene Stellenanzeige, ein echter Lauf, nichts nachgebessert.